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Zensus2022 – Einsicht in die Online-Befragung

zenus2022 führt aktuell ihre sogenannte Haushaltsbefragung durch. Auch, wenn vielerorts noch eine wahrhaftige Person an der Haustür klingelt, hat diese nur noch unterstützenden Charakter, während die eigentliche Befragung online durchgeführt wird. Es werden jedoch längst nicht mehr alle Haushalte befragt. Die Befragungen werden in Stichproben durchgeführt. Wenn bei Ihnen also eine Befragung ansteht und Sie vorab schon gerne wissen möchten, wie die Befragung aufgebaut ist oder Sie nicht zu den ausgewählten gehörten, aber auch einmal sehen möchten, wie die Online-Befragung des Zensus aussieht – hier gibt es einen Screencast (Bildschirmvideo), der den gesamten Frageablauf zeigt.

ACHTUNG!
Ich empfehle, den Fragenkatalog NICHT online auszufüllen, sondern die gedruckte Version zu verlangen! Warum – lesen Sie weiter unten im Abschnitt „Datenschutzverstoß!“.

 

Bildschirmaufnahme zensus2022 online:

Welche Fragen werden in der Online-Haushaltebefragung des zensus2022 gestellt? Dieses Video durchläuft die komplette Onlinebefragung in nur 2:45 min. (Die Fragen sehen nicht für alle Teilnehmer gleich aus. Es gibt unterschiedliche Fragenkataloge, bspw. für Wohnheime, Hauseigentümer, Vermieter).

 

zensus? Was ist das?

Deutschland führt wieder eine Volkszählung durch! Lange ist’s her – die letzte war 2011. Aber natürlich wird so etwas heute nicht mehr „Volkszählung“ genannt. Längst ist es Mode geworden, dass Begrifflichkeiten möglichst nicht verraten, worum es geht, sie aus einem Sprachmix bestehen, den niemand mehr versteht oder sie sich so süß anhören, als ginge es um ein Blümchenmuster mit Rosenduft. Das Wort „zensus“ riecht zwar per se erst einmal nicht nach Rosen, erfüllt aber zumindest den Zweck, das Kind bloß nicht beim Namen zu nennen. Zum Glück wird auf der Seite des zensus dann doch noch erklärt, worum es geht:

»2022 findet in Deutschland wieder ein Zensus statt. Mit dieser statistischen Erhebung wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf Bevölkerungs- und Wohnungszahlen. Um verlässliche Basiszahlen für Planungen zu haben, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig. In erster Linie werden hierfür Daten aus Verwaltungsregistern genutzt, sodass die Mehrheit der Bevölkerung keine Auskunft leisten muss. In Deutschland ist der Zensus 2022 eine registergestützte Bevölkerungszählung, die durch eine Stichprobe ergänzt und mit einer Gebäude- und Wohnungszählung kombiniert wird. Mit dem Zensus 2022 nimmt Deutschland an einer EU-weiten Zensusrunde teil, die seit 2011 alle zehn Jahre stattfinden soll. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der anstehende Zensus von 2021 in das Jahr 2022 verschoben.«

Logistisches Mammutprojekt

Für die Erhebung sind aktuell rund 100.000 Beamte unterwegs, um bei 10,2 Millionen Haushalten direkt Daten zu erfragen. Auf der Website sollen alle befragten Haushalte zusätzlich einen Online-Fragebogen ausfüllen, in dem sie unter anderem persönliche Daten sowie Wohn- und Beschäftigten-Status aller Haushaltsangehörigen mitteilen müssen. Es handelt sich hierbei um Stichproben. Die eigentlichen Informationen kommen aus Verwaltungs- und Melderegistern.

Bei mir stand ein Beamter am 24.05.2022 auf der Matte, nachdem er mich zweimal nicht angetroffen hatte, da die in den Briefkasten geworfenen Terminankündigungen viel zu kurzfristig waren. Mehr noch wunderte mich jedoch, dass der Beamte nichts weiter tat, als mir das zuvor per Post zugeschickte Formular ausgefüllt abzunehmen und mir ein weiteres für die Online-Befragung zu übergeben (in der Online-Befragung gab es dann übrigens noch einmal dieselben Fragen, die es auch schon auf dem Formular gegeben hatte). Es bleibt die Frage, warum der Beamte mich persönlich besucht hat? Vermutlich eine rein psychologische Maßnahme. Aber egal, das muss drin sein – für 1,5 Milliarden Euro, die der zensus2022 voraussichtlich kosten wird.

 

Datenschutzverstoß!

Ausgerechnet Zensus2022 leitet Daten in die USA

Es wird so langsam zum Running Gag, dass immer wieder und ausgerechnet staatliche Webseiten, Seiten von öffentlichen Einrichtungen oder Online-Angebote von unseren namhaften Parteien des Landes gravierende Sicherheitsmängel aufweisen oder die Datenschutzgrundverordnung nicht einhalten. Nun, das Statistische Bundesamt in Wiesbaden, Herausgeber der Webseite zensus2022.de hat gleich beides auf einen Streich geschafft: Daten der Website werden unter bestimmten Umständen in die USA gesendet und in der Datenschutzerklärung wird nicht darauf hingewiesen.

Bereits am 12.05.2022 wies der IT-Sicherheitsexperte Mike Kuketz in dem Artikel Zensus 2022: Statistisches Bundesamt hostet bei Cloudflare darauf hin, dass zensus2022.de nicht nur völlig unnötig ein CDN aus den USA auf der Website nutzt, sondern auch darüber nicht in der Datenschutzerklärung informiert! Eine Mischung aus Skandal und Lachnummer, die natürlich sofort von den Medien aufgegriffen wurde, auch wenn bei vielen Zeitungen und den Öffentlich Rechtlichen durch viel Halbwissen dabei einiges durcheinandergebracht wird. Einen der besseren Artikel dazu lieferte am 20.05.2022 dieser Artikel von BR24. Aufgrund dieses Drucks hat das Bundesamt mittlerweile nachgebessert und Kuketz hat den aktuellen Stand in einem nachgereichten Artikel als weiterhin kritisch bewertet.

Dass kein NSA-Abhörskandal, kein mahnender Edward Snowden und keine gescheiterte Datenschutzvereinbarung zwischen der USA und der EU eine deutsche Regierungsorganisation darin erschüttern kann, die USA als „unsere Freunde“  anzusehen, mag dabei nicht verblüffen. Dennoch muss sich auch, bzw. gerade, eine staatliche Behörde an die DSGVO halten. Dass die Website eines Bundesamts und dann auch noch bei einem so dermaßen sensiblen Thema wie der Volkszählung inkl. Haushaltebefragung auf einen der mächtigsten CDN-Anbieter aus den USA zurückgreift und selbst nach Medienberichten nur nachbessert und das System nicht durch ein deutsches System ersetzt, ist wieder einmal eine Schande.

 

André Morre

Selbstständiger Mediendesigner und Inhaber dieser Webseiten. Konzeption, Design, Webdesign, Text, Fotografie

3 Kommentare

  • VatiMuttiKindFamilie

    Antworten 26. Mai 2022 16:08

    Dankeschön! Wir hatten gestern den Besuch. Wir haben die gedruckte Version gefordert und auch gleich dazu gesagt warum!
    No Cloudflare for zensus!!! 😀

  • Lars

    Antworten 28. Mai 2022 10:22

    Wenn ich das richtig verstanden habe macht ein CDN doch nur Sinn, wenn auf eine Website weltweit zugegriffen wird. Warum also überhaupt ein CDN, wenn die Seite doch nur für Deutschland ist?

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Datenschutz
André Morre Mediendesign, Inhaber: André Morre (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
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