miele-x Homepage des Digital Hub in Amsterdam

WordPress für Miele-X

Miele & Cie. KG, deutscher Hersteller von Haushalts- und Gewerbegeräten mit Sitz in Gütersloh hat den Webauftritt Miele-X des neuen Standorts in Amsterdam in WordPress umgesetzt. Ich habe die Website für euch technisch durchleuchtet und die Entscheidung für WordPress mit Pro und Contra versehen.

WordPress ist weiterhin auf Wachstumskurs. Das sieht man vor allen Dingen an Webseiten mittelständischer Unternehmen, für die in letzter Zeit ein Website-Relaunch anstand. Oftmals wurde hier von Typo3 oder Joomla zu WordPress gewechselt. Die Zeiten, in denen selbst namhafteste Unternehmen wie Mercedes Benz oder Walt Disney auf WordPress setzten sind indes vorbei. Die Anforderungen sind, das muss man hier klar sagen, zu hoch, Typo3 hingegen zu veraltet. Hier ist immer öfter ein Wechsel zum Adobe Experience Manager (AEM) zu beobachten.

Miele setzt mit miele-x.com auf WordPress

Selbst konservative Unternehmen wie die Miele & Cie. KG befinden sich mittlerweile in einem stetigen Wandel. Vor geraumer Zeit hat das Unternehmen einen Logo-Relaunch durchgeführt und damit in der Belegschaft eher für Unmut gesorgt, geht dieser sehr kostspielige Wandel doch mit gleichzeitigen Umstrukturierungen der Arbeitsplätze und Sparmaßnahmen einher (Neue-Westfälische und Westfalen-Blatt berichteten).

Das Miele Logo vorher/nachher. Das DesignTagebuch informierte über den Relaunch.

 

Miele X: Digital Hub Marketing & Sales Amsterdam, Niederlande

Aktuell ist Miele gerade damit beschäftigt mit Miele-X sein Digital Hub in Amsterdam aufzubauen. Überraschend ist dabei – und darum soll es in diesem kurzen Bericht auch im Kern gehen – dass die Website miele-x.com mit dem CMS WordPress umgesetzt wurde. Überraschend in sofern, als das Unternehmen dieser Größe sich eigentlich nicht mit so einem „ordinären“ System wie WordPress abgeben. Dies gilt um so mehr, bedenkt man, dass es sich bei Miele-X unter anderem um Mieles neues Zentrum für innovative IT handeln soll und für viele professionelle IT-Entwickler ein System wie WordPress eigentlich unter ihrer Würde ist.

Der Spott der IT-Zunft wird also möglicherweise nicht lange auf sich warten lassen. Doch wäre dieser Spott gerechtfertigt? miele-x.com ist ein eher kleiner Onepager (zzgl. einiger Unterseiten) und dient vorrangig der Akquise neuer Mitarbeiter. Eine Seite dieser Größe und Komplexität hätte man theoretisch auch gleich mit Wix oder Jimdo umsetzen können. Alles, was größer und komplexer als WordPress ist, wäre hierfür eigentlich überdimensioniert. Oder anders gesagt: selbst für Webseiten, die zehnmal so komplex wie miele-x sind, ist WordPress eine gute Wahl. Aus technischer Sicht spricht also eigentlich nichts dagegen. Und ganz nebenbei bemerkt: Wenn neben dem üblichen Mittelstand auch mal Konzerne zu WordPress greifen, nehme ich als WordPress-Liebhaber das durchaus wohlwollend wahr.

Natürlich sollte man nicht vergessen, dass es sich bei Miele-X nur um eine kleine Landingpage für Stellenangebote handelt. Im wirklichen Leben setzt Miele das Enterprice Content Management (ECM) OpenText ein, während das eCommerce über SAP C/4HANA (ehemals: Hybris) abgewickelt wird.

Die Website von miele-x.com

 

Pagebuilder DIVI

Eine weitere Überraschung ist, dass nicht nur WordPress, sondern auch der Pagebuilder DIVI zum Einsatz kommt. Der populäre Visual Frontside Editor ermöglicht ein komfortables, wenn auch nicht uneingeschränktes Umsetzen von Webdesigns mit einem Minimum an Programmierkunst. Ergo haben wir hier eventuell das Paradoxon einer Website, die IT-Profis sucht, aber umgesetzt mit einem System, für das IT-Profis kaum notwendig sind.

Miele-X

Alles richtig oder?

So, wie die Website konzipiert ist, hat Miele die richtige Entscheidung getroffen. Schneller und komfortabler als mit WordPress im Zusammenspiel mit DIVI hätte man die Seite nicht aufbauen können. Fraglich hingegen erscheint, ob es nicht angebracht gewesen wäre, den Internetauftritt mit technischen und optischen Merkmalen zu versehen, mit denen sich ein IT-ler als ein Teil der Zielgruppe vielleicht in Entzücken versetzen ließe.

Ein Ansatz wäre dabei möglicherweise gewesen, die Site zumindest technisch bestmöglich zu optimieren. Denn für so eine kleine Webpräsenz ohne technische Spielereien ist die Seite wenig performant. Gehostet wird der Webauftritt auf einem Server von Mittwald, einem renomierten, auf Geschäftskunden spezialisierten Hoster aus Espelkamp. Falls hier ein Paket der unteren Preisklassen zum Einsatz kommt, könnte dies schon die erste Schwachstelle sein, denn die unteren Pakete von Mittwald sind mir schon mehrmals durch schleppende Zugriffszeiten (Latenzen) und einem grundsätzlich fehlenden OPcache aufgefallen. Für europaweite Zugriffe könnte man ein CDN einsetzen oder zumindest ein Cachingsystem. Nicht, das ein Onepager die beiden wirklich ernsthaft benötigte – aber die Site hätte dann zumindest unter der Haube etwas Technologie.

Im Performancetest fällt miele-x.com rein rechnerisch durch, womit die meisten Onepager leben müssen. In der Praxis macht sich dies aber nicht wirklich bemerkbar.

 

Miele-X

Let’s talk about design

Zu guter Letzt werfen wir noch einen kurzen Blick auf das Design, genauer gesagt auf das Corporate Design. Dieses entspricht in seinen Grundzügen dem Design der Miele-Homepage bzw. des Webshops. Bei der Anordnung der Inhalte hat man jedoch die stringenten Raster auf hellgrauen Flächen verlassen hin zu einer freieren Anordnung. Überschriften erscheinen im Gegensatz zur Miele-Hompage in fetten Versalien. miele-x.com wirkt dadurch etwas expressiver und weniger konservativ, was der Zielgruppenansprache absolut angemessen erscheint.

Fazit

Was die Macher dazu bewogen hat, die Website in WordPress umzusetzen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Vielleicht haben die Entscheider einfach festgestellt, dass es trotz vorhandener IT-Fachkräfte manchmal einfacher und schneller sein kann, auf ein kompaktes WordPress mit DIVI-Theme zu setzen. Und das Ergebnis ist: Ja, es geht – und es macht tatsächlich Sinn. Der Pagespeed könnte etwas besser sein, aber seien wir ehrlich: bei einer Website, die kaum Unterseiten hat, fällt das eh keinem auf.

André Morre

Selbstständiger Grafik-Designer und Inhaber dieser Internetseiten. Konzeption, Design, Webdesign, Text, Fotografie

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