Waldsterben

Bielefeld: Der Teutoburger Wald stirbt

Letzte Änderung: 25. Oktober 2020

Im Schatten von Corona COVID19 geht leider eine ganz andere Katastrophe völlig unter, die noch kurz vor Corona durchaus ein beachtliches Thema war: Das Waldsterben des Teutoburger Waldes. Die letzten beiden extrem trockenen Sommer haben unseren Wäldern – und so auch dem Teutoburger Wald – kräftig zugesetzt. Nun hat es den Anschein, dass auch das Jahr 2020 wieder ein trockenes Jahr wird, bzw. bis zum heutigen Tage bereits eines ist. Dem Teutoburger Wald geht die Puste aus und das ist nicht mehr zu übersehen.

Geschlossene Geschäfte und Restaurants, keine Freizeitangebote, Ausgangs- und Kontaktsperren – die vielen drastischen Corona-Maßnahmen haben diesen Frühling viele Bielefelder in den Teutoburger Wald getrieben. Selbst Menschen, die eigentlich nie Waldspaziergänge machten, waren nun dort anzutreffen. Seltenen Waldbesuchern ist möglicherweise nicht einmal aufgefallen, dass das, was sich dort gerade tut, nicht normal ist, dass der Teutoburger Wald noch zwei Jahre zuvor nicht so aussah, wie er jetzt aussieht.

  • 2018 zeigten Bilder der beiden Satelliten Terra Modis und Terra Aqua laut der Forschungsergebnisse von Alan Buras, TU München, dass bei 1/3 der deutschen Wälder der spektrale Grünton abnimmt. Ein Anzeichen dafür, dass die Bäume unter Trockenstress stehen. Diese Bäume sind besonders anfällig für den Schädlingsbefall (Borkenkäfer). Dies ist der schlimmste Zustand seit 20 Jahren.

  • 250.000 ha Wald sind in Deutschland allein in den Vergangenen 2 Jahren abgestorben. Das sind 2 % der gesamten 11,4 Millionen ha.

  • Insbesondere die abgestorbenen Waldbestände sind eine Gefahr für die Vermehrung des Borkenkäfers und für eine erhöhte Waldbrandgefahr.

  • Neben dem globalen Klima sorgen die Wälder für ein Mikroklima. In den Wäldern ist es feuchter und kühler. Dieses Mikroklima ist teilweise so ausgeprägt, dass die Feuchtigkeit des Waldes verdunstet und erneut abregnet. Ab einer gewissen Ausdünnung der Wälder kommt dieses Mikroklima zum erliegen. Das Ergebnis ist eine Potenzierung der Trockenheit.

Waldsterben Teutoburger Wald

Saurer Regen, Borkenkäfer, Trockenheit

Der Natur wurde schon mehrmals das große Waldsterben vorausgesagt. Wer bereits in den 80er Jahren alt genug war, um die Fernsehnachrichten aufzunehmen, wird sich erinnern, wie erstmals der Begriff „Sauerer Regen“ in den Sprachgebrauch einkehrte und dramatische Folgen für die kommenden Jahre prognostiziert wurden. Die Dramatik ist nicht eingetroffen, was nicht darauf beruht, dass es ein Fehlalarm gewesen wäre, sondern dass der Mensch tatsächlich gesehen hat, dass es so nicht weitergehen kann und die Politik sich massiv um die Umweltverschmutzung kümmerte. Der Wald wurde sogar wieder etwas gesünder – aber: er wurde auch nie wieder wirklich gesund. Später brach mit dem Borkenkäfer die nächste Plage über den Wald herein und seit nunmehr drei Jahren ist es neben der Umweltbelastung und dem Borkenkäfer nun auch noch die Trockenheit.

Während die Laubbäume bisher noch mit der Trockenheit zurechtkommen, geht den Nadelbäumen und insbesondere den Fichten die Luft aus. Ganze Areale, die auch von der Ferne aus zu erkennen sind, sterben ab. Geht man ein bisschen Abseits der Wege durch das Gelände, hört man die Trockenheit förmlich unter den Füßen knacken und knistern – der Boden ist staubtrocken.

In den meisten Fällen verhält es sich jedoch nicht so, dass die Bäume aufgrund der Trockenheit verdursten würden, sondern vielmehr dass sie unter Trockenstress geraten und somit anfällig für den Schädlingsbefall werden. Es ist also letztlich die Kombination, die dem Baum den Garaus macht. Dies ist auch der Grund, warum eine anschließende Regenphase den Baum dann nicht mehr retten kann.

Die Expertenmeinungen gehen aktuell noch sehr weit auseinander, wenn es darum geht, die Zukunftsaussichten deutscher Wälder zu prognostizieren. Während die Einen behaupten, es stürben aktuell nur die Fichten und diese vorwiegend in Gebieten, in denen sie von alleine sowieso nie gewachsen wären – als Argumentation also das Sterben als von der Forstwirtschaft und ihren angelegten Monokulturen hausgemachtes Phänomen bezeichnet wird, meinen die Anderen, die Fichten seien nur die Vorboten für eine sich abzeichnende Tragödie des Waldes.

Waldsterben Teutoburger Wald

Waldbrände im Teutoburger Wald

Nicht verwunderlich also, dass es dieses Jahr im Teuto rund um Bielefeld schon 3 Waldbrände gab – möglicherweise gar vorsätzlich gelegt, wahrscheinlicher aber, dass sie einfach durch Unachtsamkeit entstanden sind, bzw. unmissverständlicher ausgedrückt: durch hirnlose Dumpfbacken.

Wir leben in einer sog. gemäßigten Klimazone. In unseren Breitengraden ist vieles möglich. Ein Sommer kann nach wie vor komplett verregnet ausfallen und Weihnachten können wir bei 18 °C verbringen – aber die Tendenz ist nicht zu übersehen und wird in absehbarer Zeit unser Landschaftsbild wahrscheinlich sehr verändern. Im schlimmsten Fall könnte schon in wenigen Jahren der komplette Teutoburger Wald so aussehen, wie Teilstücke auf diesen Fotografien. Doch wenn in einigen, vielleicht auch vielen Monaten die Corona-Krise als ein dunkler Schatten in unserer Erinnerung hinter uns liegt, wird uns wieder offenbar werden, dass der Klimawandel kein kurzes Intermezzo ist, sondern etwas, dass nicht einfach so verschwindet. Selbst dann nicht, wenn wir uns der Sache mit ganzer Kraft annehmen würden.

André Morre

Selbstständiger Mediendesigner und Inhaber dieser Webseiten. Konzeption, Design, Webdesign, Text, Fotografie

3 Kommentare

  • Janina

    Antworten 21. September 2020 19:17

    Danke!

  • Hemsbach

    Antworten 2. Oktober 2020 20:34

    Naja. Also von Waldsterben kann nicht direkt die Rede sein. Es sterben lediglich die Fichten ab und das liegt schlicht daran, daß die Forstwirtschaft auf diesen minderwertigen Baum gesetzt hat und nun fliegt ihnen ihre verpeilte Monokultur um die Ohren. Hätten wir nicht diese vielen Fichtenflächen, sähen unsere Wälder noch ganz normal aus.

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