Waldsterben

Bielefeld: Der Teutoburger Wald stirbt

Im Schatten von Corona COVID19 geht leider eine ganz andere Katastrophe völlig unter, die noch kurz vor Corona durchaus ein beachtliches Thema war. Die letzten beiden extrem trockenen Sommer haben unseren Wäldern – und so auch dem Teutoburger Wald – kräftig zugesetzt. Nun hat es den Anschein, dass auch das Jahr 2020 wieder ein trockenes Jahr wird, bzw. bis zum heutigen Tage bereits eines ist. Dem Teutoburger Wald geht die Puste aus und das ist nicht mehr zu übersehen.

Geschlossene Geschäfte und Restaurants, keine Freizeitangebote, Ausgangs- und Kontaktsperren – die vielen drastischen Corona-Maßnahmen haben diesen Frühling viele Bielefelder in den Teutoburger Wald getrieben. Selbst Menschen, die eigentlich nie Waldspaziergänge machten, waren nun dort anzutreffen. Seltenen Waldbesuchern ist möglicherweise nicht einmal aufgefallen, dass das, was sich dort gerade tut, nicht normal ist, dass der Teutoburger Wald noch zwei Jahre zuvor nicht so aussah, wie er jetzt aussieht.

Bielefeld: Der Teutoburger Wald stirbt

Saurer Regen, Borkenkäfer, Trockenheit

Dem Wald wurde schon mehrmals das große Sterben vorausgesagt. Wer bereits in den 80er Jahren alt genug war, um die Fernsehnachrichten aufzunehmen, wird sich erinnern, wie erstmals der Begriff „Sauerer Regen“ in den Sprachgebrauch einkehrte und dramatische Folgen für die kommenden Jahre prognostiziert wurden. Die Dramatik ist nicht eingetroffen, was nicht darauf beruht, dass es ein Fehlalarm gewesen wäre, sondern dass der Mensch tatsächlich gesehen hat, dass es so nicht weitergehen kann und die Politik sich massiv um die Umweltverschmutzung kümmerte. Der Wald wurde sogar wieder etwas gesünder – aber: er wurde auch nie wieder wirklich gesund. Später brach mit dem Borkenkäfer die nächste Plage über den Wald herein und seit nunmehr drei Jahren ist es neben der Umweltbelastung und dem Borkenkäfer nun auch noch die Trockenheit.

Während die Laubbäume bisher noch mit der Trockenheit zurechtkommen, geht den Nadelbäumen und insbesondere den Fichten die Luft aus. Ganze Areale, die auch von der Ferne aus zu erkennen sind, sterben ab. Geht man ein bisschen Abseits der Wege durch das Gelände, hört man die Trockenheit förmlich unter den Füßen knacken und knistern – der Boden ist staubtrocken.

Bielefeld: Der Teutoburger Wald stirbt

Waldbrände im Teutoburger Wald

Nicht verwunderlich also, dass es dieses Jahr im Teuto rund um Bielefeld schon 3 Waldbrände gab – möglicherweise gar vorsätzlich gelegt, wahrscheinlicher aber, dass sie einfach durch Unachtsamkeit entstanden sind, bzw. lassen Sie es mich klarer – nein, lassen Sie es mich sogar unmissverständlich ausdrücken: durch hirnlose Dumpfbacken.

Wir leben in einer sog. gemäßigten Klimazone. In unseren Breitengraden ist vieles möglich. Ein Sommer kann nach wie vor komplett verregnet ausfallen und Weihnachten können wir bei 18 °C verbringen – aber die Tendenz ist nicht zu übersehen und wird in absehbarer Zeit unser Landschaftsbild wahrscheinlich sehr verändern. Im schlimmsten Fall könnte schon in wenigen Jahren der komplette Teutoburger Wald so aussehen, wie Teilstücke auf diesen Fotografien.

Doch wenn in einigen, vielleicht auch vielen Monaten die Corona-Krise als ein dunkler Schatten in unserer Erinnerung hinter uns liegt, wird uns wieder offenbar werden, dass der Klimawandel kein kurzes Intermezzo ist, sondern etwas, dass nicht einfach so verschwindet. Selbst dann nicht, wenn wir uns der Sache mit ganzer Kraft annehmen würden.

André Morre

Selbstständiger Grafik-Designer und Inhaber dieser Internetseiten. Konzeption, Design, Webdesign, Text, Fotografie

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